200 Mio Euro für sichere Radwege?

In Kopenhagens Innenstadt sind jetzt mehr Fahrräder als Autos unterwegs.


Warum? Weil konsequent sichere Radinfrastruktur gebaut wurde. Es gibt hier keinen Unterschied in der Kultur. Es ist schlicht billiger, zuverlässiger, schneller und gesünder, mit dem Fahrrad zu fahren. Also machen es die Leute, sobald man ihnen richtige Wege anbietet. Separiert von Auto- und Fußverkehr, mit glattem Belag, breit genug um einander zu überholen und mit eindeutiger Führung an jeder Kreuzung, deren Ampelschaltung zügig zwischen den Phasen wechselt.

Esplanaden

Die dortige Stadtverwaltung hat erkannt, dass Radwege bei weitem günstiger als andere Modalitäten sind. Um es ganz deutlich zu machen: Die Investitionen der letzten zwölf Jahre in den Radverkehr waren günstiger als eine einzige Umgehungsstraße im Norden der Stadt.


Sicher herausragend sind die Brücken Cykelslangen und Bryggebroen, aber auch die ganz normalen Wege in der Stadt sind in einem sehr guten Ausbauzustand und überall da, wo man den Bord überwinden möchte, gibt es kleine Rampen:

Artillerivej

Dieses Detail hat mir bei meinem Besuch im September am besten gefallen. Es ist eine simple und funktionierende Lösung für die Kehrseite der Wege auf den drei verschiedenen Niveaus (Kraftfahrezeuge unten, Fahrräder eine Stufe höher, Gehwege eine weitere Stufe höher), nämlich dass man nicht so gut die Straßenseite wechseln kann.

In Darmstadt ist das anders. Auf der Heidelberger Straße beispielsweise fährt niemand gerne Rad, aber auch Autoparken ist eine Qual:

Heidelberger Straße

Die Lösung wäre wohl, die Parkspur komplett aufzugeben und den Belag in einen fahrradtauglichen Zustand zu bringen. Aber nicht nur dort, sondern überall und dann sind wir schnell bei der Frage, wer das bezahlen solle und von welchem Geld.

Ich würde deshalb gerne mal seriös und ohne Schaum vom Mund für Darmstadt ausgerechnet wissen, was man hier an Stelle der 200 Mio Euro teuren Nordostumgehung machen könnte, um die Kopenhagenisierung zu vollziehen. Richtig geplant und umgesetzt, würde entlang der Hauptrouten die ein oder andere Kfz-Spur inkl. Parkplätze wegfallen, aber mit ihr auch der motorisierte Verkehr. Das ist die wichtigste Lehre: Das Mobilitätsbedürfnis der Menschen bleibt immer da, wie es in Verkehr umgesetzt wird, bestimmen die angebotenen Wege.

Dänemarks Technische Universität

Die Feinstaubwerte wären plötzlich in Ordnung, die Menschen sicher und ein Stück glücklicher unterwegs. Die allerwenigsten fahren heute gern Rad in Darmstadt, aber auch im Auto ist es nicht leicht. Also sollte man in Darmstadt, eine Stadt die in ihrer Bevölkerung wächst, aber ihre Grenzen nicht ausdehnen kann, alles daran setzen, dass die Menschen gerne zu Fuß gehen und das Fahrrad nutzen. Wie man es macht, sieht man leicht in Kopenhagen.

Baustellen als Verkehrsberuhigung

Heute Nachmittag war ich in der Innenstadt von Darmstadt, um ein paar Besorgungen zu machen. Wie immer fahre ich mit dem Rad über die Spreestraße in die Albert-Schweitzer-Anlage. Als ich an der Hindenburgstraße ankomme, bemerke ich, dass dort eine Baustelle eingerichtet ist, die ein paar Tage zuvor noch nicht da war. Mir war auch nicht bekannt, ob die Straße ähnlich wie einige andere in Darmstadt in den Ferien erneuert werden sollte. Tatsächlich war die Ampelanlage, die im Regelfall den Fußgängern eine Querung des 15 Meter breiten Fahrbahnprofils bieten soll, ausgefallen. Es waren mehrere Arbeiter und Fahrzeuge im Einsatz und ich umkurvte die Baustelle.

So weit, so banal. Auf dem Rückweg war zwischenzeitlich Feierabend und offensichtlich hatte es die Kolonne nicht geschafft, die Anlage vorher wieder in Betrieb zu nehmen. Ob sie vielleicht tatsächlich wieder funktionstüchtig war, aber ein bürokratisches Hindernis wie eine gesonderte behördliche Abnahme nötig ist oder Ersatzteile nicht verfügbar waren, soll an der Stelle nicht interessieren.

Meine Aufmerksamkeit war eher auf die Tatsache gelenkt, dass ich im Feierabendverkehr noch nie so schnell und einfach von der einen zur anderen Straßenseite wechseln konnte wie heute. Doch warum war das so?

Defekte Ampel in der Hindenburgstraße

Als behelfsmäßige Querungshilfe waren Baustellenabsperrungen um die Fußgängerfurt aufgebaut und die vierstreifige Straße auf einen Fahrstreifen pro Richtung verengt. Kraftfahrer mussten sich also einer nach dem anderen einreihen und zusätzlich war ein Tempolimit von 30 km/h beschildert worden. So entstand quasi eine Mittelinsel ohne zugleich eine Behinderung für Fußgänger und Radfahrer zu sein. Im Regelfall sind Inseln so ausgestaltet, dass man eine kleine Bordsteinkante überwinden und noch Ampel- und Schildermasten umkurven muss. Nichts in dieser Art heute: kein Drücken der Bedarfsampel und beim Warten im Sattel balancieren. Für die erste Etappe ein Blick nach links und in die Mitte; dann ein kurzer Blick nach rechts und weiter. Kein Auto musste großartig langsamer werden, niemand hat versucht noch bei Gelb drüber zu rauschen. Keiner musste wieder auf Grün warten, was passiert, wenn nur wenige Fußgänger die Straße queren. Und das alles aus einer improvisierten Lösung heraus.

Manchmal kann Verkehrsberuhigung so unaufgeregt und wirkungsvoll sein, dass sich keiner der Akteure bewusst ist, was er da eigentlich gerade geschaffen hat. Morgen, spätestens in ein paar Tagen darf dann wieder in beide Richtungen gerast werden und alle ohne Motor müssen an der Ampel ihren Bedarf anmelden. Quasi einen Antrag stellen, auch mal rüber zu dürfen.

Kultur als Motor?

Am Donnerstag war ich bei der Veranstaltung Kultur als Motor – Rheinstraßen-Entrée im Publikum. Leider bin ich etwas zu spät gekommen, da vorher noch Stupa-Sitzung war, in der ich einen Bericht abgegeben habe.

Rheinstraße

Kurzum, wurde auf dem Podium wie in der Publikumsrunde, in der auch viele Architekt*innnen saßen, eine Menge über die einzelnen Gebäude gesprochen. Sicher hat diese Diskussion einen Wert für sich, aber wer von einer Straße redet, sollte sich auch für die makroskopische Ebene und den Raum zwischen den Häusern interessieren.

Der öffentliche Bereich einer Straße ist der, in dem sich die Aufenthaltsqualität erfahren lässt und natürlich auch der, in dem Verkehr stattfindet. Und solange Verkehr in Darmstadt überwiegend motorisiert ist (vgl. sogar die Motor-Metapher im Titel der Veranstaltung), wird es nichts mit hoher Aufenthaltsqualität, da Lautstärke und Abgase alle Qualitäten beseitigen, die Kunst am Bau liefern kann.

Bericht im Darmstädter Echo

Ride of Silence

Unter dem Titel Ride of Silence habe ich zusammen mit einigen Freunden und Kontakten aus der Darmstädter Radszene gestern eine Gedenkfahrt organisiert. Wir sind 10 km Strecke mit dem Rad abgefahren und hätten quasi an jeder Stelle anhalten können, um auf die gedankenlose Verkehrsführung für Radfahrer in Darmstadt hinzuweisen, die immer wieder für gefährliche Situationen sorgt. Da die Tour von der Polizei begleitet wurde, konnten alle sicher auf der Hauptfahrbahn unterwegs sein und mussten sich weder Konflikten mit der Infrastruktur noch mit Autofahrern hingeben. Auch die Fußgänger hatten ihren Raum, um die es mir immer besonders leid tut, wenn ein (benutzungspflichtiger) Radweg in den Gehweg gelegt wird.

Ghost Bike an der Ecke Landgraf-Georg-Straße/Fiedlerweg

Ghost Bike an der Ecke Landgraf-Georg-Straße/Fiedlerweg

Im November 2015 ist ein Radfahrer in Darmstadt überfahren worden, in ganz Deutschland waren es etwa 400. Eine Zahl, die mich nachdenklich macht, weil es doch gerade die Radfahrer sind, die sich für ein sozial wie ökologisch ausgewogenes Verkehrsmittel entscheiden und die planerische Vision der autogerechten Stadt in Frage stellen. Bewusst oder unbewusst stellen sie dieser den Entwurf einer menschengerechten Stadt gegenüber, in der Straßenverkehr ohne nennenswerte Gefahren, Schall- und Abgasemissionen Realität werden könnte. Unbestritten hat jeder Mensch den Drang zur Mobilität. In einer verdichteten Stadt sollte diese so behutsam und leise wie möglich verwirklicht werden, damit der öffentliche Raum keine bloße Transitzone, sondern auch für ein nettes Gespräch gut ist und hohe Aufenthaltsqualität bietet. Selbst für die Wirtschaft wäre es besser, weil Menschen mehr einkaufen, wenn sie gerne und oft in die Innenstadt kommen.

Kaum fand die Tour auf dem Karolinenplatz ihr Ende, brausten die Autos ungeduldig an uns vorbei und man hatte Schwierigkeiten das eigene Wort zu verstehen. Neben der Schweigeminute am Ghost Bike vielleicht der wichtigste Eindruck aus dem Ride of Silence.

Radfahrstreifen als Parkstreifen

Daniel arbeitet es wieder mal auf den Punkt genau heraus.

Meine letzten Erfahrungen mit Parkenden auf Radfahrstreifen in Darmstadt sind so verlaufen, dass „Du Hurensohn!“ noch die freundlichste Bemerkung ist, die mir Leute entgegen schleudern, wenn ich ein Foto von ihrem PKW auf der Radspur knipse.

Auf der Rheinstraße stehen sie besonders gern im Weg

Tätliche Angriffe, die von den Fotografierten kommen, sind zwar die Ausnahme, kommen leider auch immer wieder vor. Dabei sage ich nicht einmal mehr was. Schweigend nehme ich das Handy aus der Tasche, mache ein Bild und schiebe mein Rad dann um den PKW herum.

Auch schon vorgekommen ist, dass mich Autofahrer nach einem Foto wild hupend verfolgt und bedrängt haben, bis ich dann gemütlich in die nächste Fußgängerzone mit Radfahrer frei abgebogen bin.

Auf das Handy reagieren sie allergisch, steht doch die Möglichkeit im Raum, dass es Beweise für das asoziale Verhalten gibt. Ich mache die Bilder gar nicht, um jeden Falschparkenden individuell anzuzeigen. Es geht darum, um in Gesprächen mit der Stadtverwaltung einen Katalog zu haben. Es geht darum, die traurige Feststellung deutlich zu machen, dass die wenigen Wege für Radfahrer nutzlos sind, die die Planer eingezeichnet haben.

Was bleibt für dich zu tun? Morgen um 19:00 Uhr zur Critical Mass auf den Karolinenplatz kommen und wenigstens einmal im Monat sicher und zügig mit dem Rad unterwegs sein.

New York City Subway

Letztes Jahr war ich vier Wochen lang auf der New York City Subway unterwegs. Das System bietet 24 Stunden, sieben Tage die Woche Verbindungen an. Die Bahnen sind in aller Regel mit sehr langen Garnituren unterwegs, die zehn Wagen umfassen.

NYC Subway

Es ist erstaunlich, wie schnell man zu den Zügen kommt und auch die Bahnhöfe wieder verlassen kann, obwohl alle Passagiere ihre MetroCard bei den Stationskontrollen an den Drehkreuzen durchziehen und dann einzeln hindurch gehen müssen. Steile Treppen und relativ enge Durchgänge, machen die Reise zwar nicht überall barrierefrei, aber selbst in der Rushhour bleiben die New Yorker besonnen und es macht wirklich Spaß, in der Masse mitzuschwimmen. Man reist mit Leuten aus allen Schichten und mit unterschiedlichster Herkunft, hört nicht nur Englisch und Spanisch im Zug, sondern auch Touristen aus aller Welt und Bürger der Stadt, die sich in ihren Muttersprachen unterhalten.

NYC Subway car

Jedem fällt auf, dass die Bahnen, die Stationen und die Strecken alt sind. Aber wie alt, das kannst du in diesem Video der MTA sehen:


Hoffentlich bekommt es die öffentliche Hand hin, die Subway auf allen Strecken zu ertüchtigen (Fix & Fortify in der Marketingkampagne der MTA genannt). Denn ein Verkehrssystem dieser Größe ist kein Selbstzweck, sondern macht die Stadt erst zu dem, was sie heute ist: eine hoch verdichtete und bis in die Ränder verstädterte Metropole. Es gibt wenig Anreize, mit einem PKW in die Stadt zu fahren und so ergeben sich auf engstem Raum eine unglaubliche Abwechslung von Kultur, Wirtschaft, Parks und Sehenswürdigkeiten. So bequem ein Auto auf den ersten Blick erscheint, verbaut es in Masse die Möglichkeit, saubere Luft und viel Platz zur Naherholung zu bieten: Parkplätze statt Parks, gibt es überall da, wo das Auto den Ton angibt. Nur ergibt es wenig Sinn, einfach die Autos aus der Stadt zu drängen, ohne bessere Antworten auf die Mobilitätsbedürfnisse der Bewohner und Gäste zu geben. Vom High Line Park aus kann man die sich stapelnden Autos sehen.

Parkgarage

Die Antwort in New York ist die MetroCard, eine Papierkarte mit Magnetstreifen. Das Trägermedium für die Fahrkarte kostet 1 $ und die monatliche Aufladung derzeit 116,50 $. Ein Stellplatz in Manhattan kostet mindestens das Dreifache und dann ist man noch keinen Meter gefahren. Doch wenn die Stadt nicht laufend investiert, türmen sich nach und nach Altlasten auf, deren Aufarbeitung Jahrzehnte braucht, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. So kostet der Betrieb der Bahn derzeit nicht nur mehr als er mit zeitgemäßer Technik würde, sondern auch die Kapazitätsgrenzen sind viel schneller erreicht. Mehr als zehn Wagen passen nicht an einen Bahnsteig und mit starren Blöcken kann man auch nicht mehr Züge fahren lassen als nach dem Stand der Technik möglich wäre.

Eine weitere Antwort, die man von der High Line aus sehen kann, ist der enorme Raum auf den Straßen. Natürlich sind die Straßen zu manchen Stunden extrem belegt, aber man sieht ganz deutlich, dass es noch genügend Platz für Radfahrstreifen gibt. Menschen die Möglichkeit zu geben, sicher und zügig mit dem Rad von A nach B zu kommen, wäre die günstig, kurzfristig und mit ein bisschen Farbe zu erreichende Antwort auf die Frage: fährst du noch oder stehst du schon im Stau?

Platz für Radwege in New York

Leben schenken

Heute habe ich zum zehnten Mal an der Blutspende teilgenommen. Mir war bis zur Anmeldung gar nicht bewusst, dass es die zweite Ehrung ist, weil ich meinen Blutspendeausweis verlegt habe und zu faul war, ihn zu suchen. Die erste kleine Ehrung bekommt man bei der dritten Spende. Das letzte Mal war wohl vor ein paar Jahren, jedenfalls war ich noch nie in Darmstadt zur Spende. Als ich mit dem Blutspenden angefangen habe, habe ich noch bei meinen Eltern gewohnt und nach dem Umzug nach Darmstadt ist es einfach in Vergessenheit geraten.

Ehrennadel

Ich spende beim Deutschen Roten Kreuz. Dort bekommt man in der Regel Getränke, einen Imbiss und gelegentlich ein kleines Geschenk. Weil der Termin vom AStA organisiert war, fand er im Vortragssaal der Universitäts- und Landesbibliothek statt. Dies hatte den Vorteil, dass die Studierenden keine weiten Wege zurücklegen mussten und in den Genuss einer klimatisierten Räumlichkeit bei der Entnahme kamen. Das ist bei den derzeitigen Temperaturen jenseits der 30 °C nicht zu unterschätzen. Als Dankeschön gab es einen Gutschein für ein Essen in der Mensa, ein paar Süßigkeiten und ein Werkzeugset fürs Fahrrad.

Vor der Entnahme musste man zunächst meinen Namen in der Datenbank finden, weil ich wie gesagt meinen Spenderausweis nicht zur Hand hatte. Mit mittlerweile geänderter Anschrift und Umlaut im Namen war dies für den Helfer gar nicht so einfach, hat dann aber doch geklappt. Früher gab es einen recht sperrigen gelben Ausweis aus Papier, in den die vergangen Spendertermine per Aufkleber eingetragen wurden. Mittlerweile kann man sich für einen neuen Ausweis im Format ID-1 (ISO/IEC 7810) entscheiden. Ich habe dies gerne angenommen, weil ich die Karte so in Zukunft besser im Geldbeutel transportieren kann und dann griffbereit habe, wenn ich wieder mal zur Spende gehe oder man in einem medizinischen Notfall meine Blutgruppe benötigt.

Nach einem Fragebogen und einem kurzen Gespräch mit einem Arzt geht es dann zur eigentliche Blutentnahme. Man liegt dabei, bekommt eine Hohlnadel in die Armbeuge und kann dann ca. fünf bis sieben Minuten warten, bis der halbe Liter Blut abgeflossen ist. Für einen besseren Fluss kann man einen Gummiball in der Hand kneten. Wenn genügend Blut im Beutel gesammelt ist, ertönt ein Jingle und man bleibt noch eine Weile liegen.

Anschließend wurde mir die sogenannte Ehrennadel in Gold verliehen. Dieser Gamification-Ansatz soll wohl dazu dienen, Menschen zur regelmäßigen Spende zu bewegen. Mir ist dabei ein bisschen mulmig zu Mute, weil die Ehrennadel ein staatlich anerkannter Orden ist und auch im militärischen Kontext Verwendung findet. Ehre bildet in einem naiven ethischen Konzept mit Schande ein Wertepaar und fördert sozialen Zwang („Seht her, was ich für ein guter Mensch bin!“). Diese Motive sind mir wirklich fremd und es geht mir bei der Spende nur darum, anderen Menschen bei medizinischen Behandlungen Medikamente zu Verfügung zu stellen, die bisher nicht synthetisiert werden können. Es geht mir auch nicht darum, Geld zu verdienen, wie dies in geringem Maße als Aufwandsentschädigung bei privaten Blutsendediensten der Fall ist.

Darmstadt kocht!

Vergangenen Donnerstag habe ich bei Darmstadt kocht! mitgemacht.

Darmstadt kocht!

Die Veranstaltung ist ein „Drei-Gänge-Menü in drei verschiedenen Küchen mit anschließender Abschlussparty“ im Schlosskeller.

Nach der Anmeldung bekommt man einen Kochpartner oder Kochpartnerin und einen der drei Gänge zugelost. Man kennt die Leute, mit denen man den Abend verbringen wird, in der Regel nicht. Wir hatten nur Kontaktdaten und jeweils Anschriften, an denen wir uns zu den festgelegten Zeiten zum Essen treffen sollten. Los ging es bei mir zu Hause um 18:00 Uhr. Ich habe mich mit meiner Kochpartnerin zuvor an einem Supermarkt verabredet und so konnten wir gemütlich einkaufen. Uns fiel die Rolle des Aperitif und der Vorspeise zu.

Meine Partnerin hat Hugo vorgeschlagen und so haben wir dann frische Minze, Holunderblütensirup und Sekt für unsere Gäste gekauft. Ich hatte die Idee, eine Suppe aus saisonalen Zutaten zu machen. Wir haben eine Steckrübe und einen etwas zu großen Hokkaido-Kürbis mit Suppengrün, Kokosmilch und Sahne zu einer herzhaften Suppe verkocht, die unseren vier Gästen ein warmes Willkommen an diesem Novbembertag bereiten sollte.

Suppe

Als ich Punkt 18:00 Uhr den Pürierstab zur Seite legte, klingelte es auch schon und das Essen konnte beginnen. Es entstanden tolle Gespräche mit Menschen, die man gerade erst getroffen hatte. Nach einer Weile trennten sich unsere Wege vorerst, da jedes zweier-Team zu einer anderen Location weiter ging. So fanden wir uns beide nach einer kurzen Strecke mit dem Rad in einer anderen Wohnung zum Hauptgang ein.

Da ich den Abend wirklich mit allen Sinnen genießen wollte und konnte, habe ich mit dem Fotografieren zurück gehalten. Es wurde für uns und nicht für Instagram gekocht und so bekamen wir einen asiatischen Kichererbseneintopf mit Joghurt und frischem Fladenbrot, das unsere Gastgeberinnen bei eines örtlichen türkischen Bäckerei gekauft hatten.

Dann hieß es wieder Aufbrechen und wir radelten ins Martinsviertel. Dieser Darmstädter Stadteil wird von Gründerzeitwohnungen und wunderschönem Kopfsteinpflaster geprägt und ist eine sehr begehrte Wohnlage für junge Familien und Studierende.

Nachtisch

Dort gab es eine unbeschreiblich leckere Schokoladen-Soufflé mit zähflüssiger Füllung, zweierlei Sorten Eis und einer Garnitur aus Blasenkirschen (Physalis) und Puderzucker. Man wollte den Teller ablecken und noch einen, aber das war leider so nicht geplant.

Nach und nach kam noch eine zweite Gruppe von sechs Leuten auf ein Getränk zu uns in die Wohnung und so trafen wir einige Gesichter aus den anderen Gängen wieder. Es wurde viel gelacht und von den Gängen berichtet, da ja jede Zweiergruppe jeweils woanders unterwegs war.

Zu guter Letzt waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Schlosskeller eingeladen und so feierten wir noch einige Stunden in die Nacht. Darmstadt kocht war einer der schönsten Abende, die ich in meiner Universitätsstadt bisher erlebt habe. Danke für die bescheidenen Organisatoren, die weder Ruhm noch Geld für diese Leistung von uns verlangt haben!

Studierende der Hochschule Darmstadt haben die Veranstaltung mit einem Video begleitet.

The New York Aquarium

Am 5. September haben wir das New York Aquarium auf Coney Island besucht. Der Wasserzoo beherbergt verschiedenste Tierarten, darunter Fische, Korallen, Pinguine und Robben unteschiedlicher Größe.

Nach dem Eingang, geht man zunächst an fish tanks vorbei und sieht Fische wie diese:

Direkt daneben gibt es Piranhas. Ihr Ruf ist bekanntermaßen eher schlecht. Die Legende neben der Scheibe greift die alte Geschichte von Alexander von Humboldt auf, nach der sie größere Säugetiere mal eben abnagen würden.

Korallen sind zwar auch Teil der einzelnen Arrangements, die Tiere sind daneben nochmal in Reih‘ und Glied unter klarem Wasser aufgebaut.

Korallen

Von dort tritt man ins Freie und kann die Außengehege der größeren Tiere besuchen. Einige Teile des Zoos wurden durch Hurrikan Sandy vor zwei Jahren stark beschädigt und befinden sich im Wiederaufbau. Hier erkennt man beispielsweise eine Betonpumpe im Hintergrund.

Pinguine im New York Aquarium

Es gibt zwischen 16 und 19 Pinguinspezies und die meisten leben außerhalb der Antarktis. Im Vordergrund warten afrikanische Pinguine auf ihr Futter. Sie stammen von den Penguin Islands vor Namibia. Das Klima dort ist mit dem auf Coney Island vergleichbar, weswegen sie das ganze Jahr über draußen leben. Während der Fütterung gesellten sich ein paar wilde Vögel hinzu, die erst Ruhe geben, wenn sie auch einen kleinen Fisch bekommen haben. Sie haben sich auf das zusätzliche Nahrungsangebot bestens eingestellt, ohne ihre Freiheit aufzugeben und erinnern mich an Hauskatzen, die sich von den Menschen zwar nichts sagen lassen, ihr Futter aber gerne mitnehmen.

Pinguine im New York Aquarium

Neben den Pinguinen leben verschiedene Robbenarten im New York Aquarium. Um leichter zu erkennen, wen man vor sich hat, gibt es praktische Erklärungen, wie man beispielsweise Seehunde und -löwen unterscheiden kann.

Seehund oder Seelöwe

Das Walross hinterm Zaun…

Großsrobbe hinter Zaun

…war eher kamerascheu.

Großrobbe hinter Zaun

Allerdings kann man es auch auf einem Bild an der Wand ganz gut sehen.

Walross im New York Aquarium

Insgesamt sehen sich Zoos und Vorführungen mit Tieren in der Gegenwart einem stärken Rechtfertigungsdruck als früher ausgesetzt. Auf der einen Seite leisten sie einen Beitrag, Tierarten zu erhalten, die anderswo durch menschlichen Einfluss zurück gedrängt werden. Genauso wird ins Feld geführt, dass man so Tiere beobachten könne, die man in der Wildnis eher nicht so leicht aufspüren könnte beziehungsweise dort noch mehr Schaden anrichten würde.

Schild

Im New York Aquarium gibt es einerseits möglichst naturnahe Umgebungen für die Tiere, andererseits werden auch Seelöwen für Kunststücke trainiert, wie mein nächstes Video zeigt:

Ob hier Tiere ausgebeutet werden oder sich wie Hunde eher an der Rolle als „bester Freund des Menschen“ erfreuen, lässt sich so einfach nicht sagen.

Zum Abschluss der Blick von der Dachterasse auf Coney Island.

Coney Island